Zwölf Jahre Philippinen

Mein Leben vor den Philippinen

ZWÖLF JAHRE PHILIPPINEN

Im Januar 1991 reisten wir als Missionare der Velberter Mission auf die Philippinen. In den Jahren davor hatten wir schon mit Freunden aus der Elohim-Gemeinde begonnen, unsere Dienst-Vision zu entwickeln. Mit dem Segen der nationalen Leitung von YWAM Philippines durften wir gleich auf Palawan beginnen, um eine neue Station und später eine DTS (Discipleship Training School) zu gründen.

Aktions-Zentrum

Im September 1991 taten wir den ersten Spatenstich für unser Missionszentrum. Da wir umfangreiche Pläne hatten, bauten wir es von vornherein recht groß auf einem 9450 qm großen Grundstück. In den Jahren 1995 und 1998 erweiterten wir es wiederum, um es auf das vorzubereiten, was Gott tun wollte.

Dieses Zentrum diente als Wohnort für uns und unsere Mitarbeiter, als „halfway house“ für entlassene Gefängnisinsassen, für unsere DTS-Schulen, für Gäste, für Seminare, Konferenzen und für Teams.

Teams

Über die Jahre haben wir viele Teams beherbergt, besonders von Jugend Mit Einer Mission und Gemeinden. Diese Teams haben in verschiedenen Orten und Gemeinden auf unserer Insel missioniert. Sie haben einen wertvollen Beitrag zu unserem gesamten Dienst geleistet. (Siehe Team-Fotos.)

Asylsucher

Unser erster Dienstzweig entstand unter den vietnamesischen Asylsuchenden, die in einem Lager in Puerto Princesa untergebracht waren. Es entwickelte sich eine gute Zusammenarbeit mit der „Christian Missionary Alliance“- Gemeinde im Lager. Ich wurde öfters eingeladen, um dort zu predigen. Über 40 ihrer Mitglieder nahmen an vier „Schulen für Jüngerschaft“ teil, die wir für sie durchführten. Einige von ihnen kehrten freiwillig nach Vietnam zurück, um dort das Gelernte anzuwenden. Es gibt etliche unter unseren Schülern, über deren Entwicklung wir uns sehr freuen. Inzwischen leben viele von ihnen in den USA.

Eingeborene

Im Januar 1993 begann unser Arbeitszweig unter dem Palawano-Stamm im Süden der Insel, die auch Tau't Batu genannt werden. Während der ersten Jahre waren die Umstände dieses Dienstes für unsere drei Mitarbeiter sehr rau. Um die ca. 240 Km bis dorthin zu gelangen, brauchte man mit dem Bus ca. 8 Stunden auf schlechten und staubigen Straßen. Man musste dabei einige Flüsse durchqueren. Manchmal musste man vor einem Fluss übernachten und warten, bis er abgeschwollen war. Nach der Ankunft hatte man dann noch ca. 8 Stunden Fußweg in den Bergen vor sich. Was man in den folgenden Wochen essen wollte, musste man bei sich tragen.

Unsere Mitarbeiter brachten ihnen das Evangelium. Sie konnten an die Arbeit anderer Missionare anknüpfen. Außerdem brachten sie ihnen organischen Gemüseanbau, Hygiene und Lesen bei. Es war ein sehr langsamer und zäher Prozess, da die Palawanos viel Misstrauen hegten. Immer wieder kam ein Gerücht auf, dass wir ihnen das Land wegnehmen wollten. Auch die Medizinmänner des Stammes waren über die Anwesenheit von Missionaren nicht gerade erfreut.

Nach einigen Jahren wurde uns klar, dass es nicht möglich sein würde, eine komplette Schulausbildung in die Berge zu importieren. Aus diesem Grund gründeten wir ein Zentrum in Ransang. Dieser Ort liegt am Fuß der Berge, in denen die Palawanos leben. In dem Zentrum nahmen unsere Mitarbeiterinnen Kinder der Palawanos auf, die gerne zur Schule gehen wollten. Seit dieser Zeit wird dort durchschnittlich zwölf Kindern des Stamms Unterkunft und Betreuung gewährt. Einige Jugendliche sind inzwischen in Puerto Princesa, um dort ihre High School zu absolvieren. Wir sind sehr gespannt, was aus ihnen mal wird und wie sie die Zukunft ihres Stammes beeinflussen werden. Aktuelle Infos zu dieser wertvollen Arbeit können unter ywamppc@mozcom.com und bei Barbie Calo (0063-919-4564954) und Arthur & Eva  Banganan (0063-918-5663436) erfragt werden.

Gott im Knast

1996 begann Pastor Jonathan Anteza in der Gefängniskolonie Inagawan (Teil der Iwahig Hauptkolonie) eine Gemeinde für Insassen aufzubauen. Wir beschlossen, ihm zu helfen und machten dort öfter evangelistische Einsätze. Ich predigte in der Gemeinde. Es wurde Teil unserer DTS, dort mit zu helfen. Während mehrerer Jahre nahmen wir verschiedene entlassene Insassen bei uns auf der Station auf. Pio, Primo, Rohel, Butch, Fred und andere bekamen bei uns eine Chance für ihren Neuanfang. Besonders gut entwickelte sich Rene (Butch) Ambahan, der eine Schule für Jüngerschaft besuchte und später unser Mitarbeiter wurde.

Bis heute liegen mir die Insassen, Entlassenen und ihre Familien stark auf dem Herzen. Aus diesem Grund bauen wir ein Patenschaftsprogramm auf, das möglichst alle Kinder der Insassen unterstützen möchte. Wer finanziell helfen will, kann dies über die CCT Stiftung tun.

Bio-Schweine & Garten

Viele Jahre lang versuchte ich einen finanziell ertragreichen biologisch-dynamischen Gemüseanbau als Modell- und Schulungsgarten in Gang zu bringen. Leider wurden diese Anstrengungen nicht wirklich von Erfolg gekrönt. Was aber gelang, war eine kleine Schweinezucht mit Hilfe von EM (Effektiv Microorganism). Unser Farm-Manager Simon Gill baute neben dem Gemüseanbau auch diesen Arbeitsbereich mit sehr viel persönlichem Einsatz auf, lehrte diese Methode in vielen Seminaren auf unserem Gelände und an etlichen Orten auf Palawan. Auf der Webseite von Keith und Narcy Mikkelson, den Gründern und Leitern von Aloha House, kann man mehr darüber erfahren.

Bei dieser Methode braucht man nur in Ausnahmefällen Medikamente für die Tiere. Es entstehen bei richtiger Handhabung so wenig Gerüche, dass man fünf Meter am Schweinestall vorbeigehen kann, ohne zu riechen, dass dort Schweine leben. Ein wichtiger Faktor ist auch, dass die Schweine „glücklicher“ leben, da sie nicht auf Zement, sondern auf Sägespänen hausen dürfen. Auch in Deutschland sind die kleinen „Nützlinge“ aus der EM-Flasche erhältlich. Sie sind die Verwandten der „probiotischen Nützlinge“ in Produkten wie „Actimel“.

Christus Centrum Tostedt

Im Jahr 2003 beendeten wir unseren Dienst bei YWAM Puerto Princesa. Seit 2004 arbeiten wir unter dem Schirm unserer Gemeinde Christus Centrum Tostedt mit verschiedenen Gemeinden auf den Philippinen zusammen. Hierzu mehr unter der Rubrik „Dienst“.

Nach oben


MEIN LEBEN VOR DEN PHILIPPINEN

Von 0 bis 21

Am 2. Juli 1959 wurde ich in Hamburg geboren und wuchs in einer recht harmonischen Familie auf. Mein Vater, Bernhard Dexel, war Architekt und Gutachter. Meine Mutter, Karin Dexel, gab ihre berufliche Karriere auf, um für meinen Bruder Martin und mich voll da zu sein. „Sie leitete ein erfolgreiches Familien-Unternehmen!...“ (wie die Mutter und Hausfrau in der originellen Werbung von Vorwerk).

Depression

Überschattet war unser Leben von der endogenen Depression meiner Mutter, die schon nach meiner Geburt ausbrach und bis heute andauert. Mit Hilfe von Medikamenten und der Unterstützung der Familie hat sie diese schwere Last erstaunlich gut getragen.

Als wir Teenager waren, schrieb sie dann ein Buch über das Leben mit der Depression. Ihr Buch heißt "Wolken über dem Tag" und ist bei Books on Demand erhältlich.

Es wurde von dem ehemaligen Chefarzt der Psychiatrischen Universitätspoliklinik Basel, Dr. W. Poeldinger, sehr empfohlen. Die erste Auflage im Fischer Verlag war recht schnell vergriffen. 

Ich weise auf dieses Buch hin, weil es den Lesern hilft, die Vorgänge in den Gedanken und Gefühlen eines depressiven Menschen besser nachzuvollziehen.

Legasthenie und Lernschwäche

Zusätzlich beeinträchtigte meinen Bruder und mich die Legasthenie. Sie sorgte dafür, dass sich meine ehrgeizigen Ambitionen, ein sehr guter Schüler zu werden, als unerreichbar erwiesen. So verlagerten sich meine Ambitionen darauf, es überhaupt zu schaffen. Ich bin sehr dankbar für die viele Ermutigung und Hilfe unserer Schulpsychologin Frau Voigt, meiner Mutter und etlicher Schul- und Studienkollegen. Ohne all diese Hilfe hätte ich es nicht geschafft und wäre in Hoffnungslosigkeit versunken. Bis heute mache ich Rechtschreibfehler, besonders dort, wo das Wort anders klingt, als es buchstabiert wird.

Teil des Gesamtkomplexes der Legasthenie bei mir war und ist eine Lern- und Konzentrationsschwäche. Fast täglich musste ich vor meinen Hausaufgaben das übermächtige Gefühl „wie der Ochse vor dem Berg zu stehen“ überwinden. Ohne beständige Hilfe und Ermutigung wäre ich daran verzweifelt.

Ähnlich wie bei der endogenen Depression ist dieser Kampf für völlig gesunde Menschen nicht nachvollziehbar und wird oft mit Faulheit und „Anstellerei“ verwechselt. So muss man neben allem anderen Frust damit leben lernen, dass man obendrein auch noch falsch eingeschätzt wird.

Im Brief an die Römer schreibt  Paulus: „... Alle Dinge (also auch Lernschwächen, Depression, sich blockiert fühlen …) dienen zum Besten dem, der Gott liebt“ (Römer-Brief 8,28).

So ist es: Seit ich Christ geworden bin, treibt mich die Verzweiflung zu Jesus, der mir hilft zu überwinden.

Auf der Suche

Als Teenager begann meine Suche. Ich wollte dazu beitragen, diese Welt zum Guten zu wenden. Ich suchte in politischen Systemen, „leichten“ Drogen, transzendentaler Meditation und übernatürlichen Phänomenen (z.B. den Büchern von Carlos Castaneda). Schließlich wollte ich nach Poona zu Bhagwahn.

Gott aber hatte andere Pläne für mein Leben. 1977 wurde ich Mitglied des „Gospel Train“-Chores von Pit Mumssen, der dann 1978 und 1980 in die USA fuhr und dort in mehreren Kirchen auftrat.

Schon 1978 fand ich die Christen in den afroamerikanischen Gemeinden erstaunlich liebevoll und warmherzig. Verstehen konnte ich das nicht, denn es waren doch Menschen mit weißer Haut wie ich, die ihre Vorfahren bitter versklavt hatten. Wie konnten sie so frei von Bitterkeit und Ablehnung uns gegenüber sein?

Trotzdem dauerte es noch rund zwei Jahre, bis ich mich für den christlichen Glauben ganz auf machte. Ich hatte erhebliche Einwände (Kreuzzüge im Mittelalter, leere Kirchen, irrelevante „Wort zum Sonntag“-Predigten, usw.).  Ausschlaggebend für mein Umdenken waren die Veränderungen, die ich in Freunden beobachtete sowie das Buch "Das Kreuz und die Messerhelden" von David Wilkerson, dem Gründer von Teen Challenge.

Es faszinierte mich zu sehen, wie Gott konkret Menschen veränderte und selbst Heroinsüchtige frei machte. Die verändernde Kraft Gottes („Power2Change“) war es, die ich die ganze Zeit gesucht hatte.

So betete ich eines Tages zu Gott, im Sommer 1980: „Wenn Du da bist und so bist wie das Buch es beschreibt, dann komm in mein Leben.“ Gott ging auf dieses merkwürdige Gebet ein und begann mich zu verändern.

Einige Monate später wurde ich in der ICOG Gemeinde in den USA getauft.

Nach oben


Berufung=Beruf

Im Sommer 1980 machte ich Abitur und stand nun als „neugeborener Christ“ vor der Frage, welchen Beruf ich wählen sollte. Pastor oder Missionar schloss ich von meinen Erwägungen aus, da ich mich nicht für würdig hielt, solch eine Aufgabe anzustreben. In der Folge quälte ich mich sehr, um Gottes Willen für mein Leben zu erfahren. Mein Problem war, dass ich genau das, was Gott für mich vorhatte, schon ausgeschlossen hatte. Nach einem Jahr begann ich dann schließlich das Studium der Theologie mit dem Ziel, Journalist zu werden.

Unsere Professoren an der Theologischen Fakultät in Hamburg sahen keinen großen „Wahrheitsgehalt“ in der Bibel. Ein Professor sagte uns sogar offen, dass es sein Ziel sei, unseren Glauben zu zerstören. Was wir dann mit den Trümmern machen würden, sei unser Problem.

In so einem Klima fühlte ich mich fehl am Platz und so wechselte ich im nächsten Jahr an die STH in Basel. Während dieser Zeit erlebte ich Missionare als Gastlehrer und merkte, dass auch sie „normale Menschen“ sind. Darauf hin sagte ich zu Gott: „Ich bin bereit, Missionar zu werden, wenn Du jemand wie mich gebrauchen kannst.“

Der WEC Missionar Volkhard Scheunemann berichtete von Asien und ich merkte, dass Gott mich in diesen Teil der Welt ruft. Im Jahre 1983 las ich in „Time Magazine“ über die Philippinen und spürte, dass mein „Brückenkopf“ in diesem Land sein würde. Ich sammelte fortan Informationen und Kontakte zu diesem Land.

Die Gewissheit, dass Gott mich nach Asien und die Philippinen berufen hat, hat mich nie verlassen und wurde bis zum heutigen Tag nie erschüttert. Allerdings hat sich inzwischen meine Rolle und Aufgabe verändert.

Nach oben


Rippe gefunden: Elisabeth

Im Sommer 1985 sagte ich meinem Hauskreis, dass ich gerne im nächsten Jahr mit meiner Frau auf die Philippinen reisen wolle. Mein Problem war nur, dass ich noch keine Frau hatte. Ich hatte nicht einmal eine Freundin. Sie beteten mit mir, dass ich meine „Zukünftige“ bis zum Ende 1985 kennen lernen würde.

Gott erhörte unser Gebet: Im Oktober '85 machte ich ein Praktikum in der Arche Hamburg. Elisabeth Dabis war dort als Sekretärin tätig. Ich genoss die vielen Stunden mit ihr zusammen im Büro und versuchte, ihr näher zu kommen. Meine ersten Erfahrungen dabei waren eher stachelig und fühlten sich manchmal wie „ein Eimer kaltes Wasser über den Kopf“ an.

Nach einer Weile zeigte sie dann doch Interesse für mich. Auf unserem ersten Spaziergang erzählte ich ihr von meinem Plan, Missionar auf den Philippinen zu werden. Ich war sehr gespannt auf ihre Reaktion. Sie war offen für ein Leben als Missionar. Wäre sie es nicht gewesen, hätte ich die Beziehung nicht weiter vorangetrieben, da ich eine Frau suchte, die bereit war, mit mir zu gehen, wo Gott uns hin senden würde.

Am 28. Juni 1986 heirateten wir – und wir haben es nicht bereut.

Nach oben


Beschenkt: Die Familie

Elisabeth (geb. 1959) wuchs als Kind einer deutschen Familie in Puerto Varas, Chile, auf. Ihr Vater war Landwirt. Als Salvador Allende Präsident wurde, fürchtete ihr Vater (zu Recht) um sein Land, verkaufte es und siedelte nach Deutschland um. Ein Jahr später folgte ihre Mutter mit Elisabeth und ihren drei Geschwistern nach Deutschland. Sie war damals 12 Jahren alt.

Sie wurde gläubig an Jesus Christus während ihres Konfirmandenunterrichts in der Arche Hamburg.

Unser erster Sohn Benjamin (geb. '89) wurde in Buchholz in der Nordheide geboren. Benjamin möchte sein Talent im Zeichnen zum Beruf machen. Beispiele davon werde ich in den nächsten Monaten in meine Online-Fotoalben stellen.

David (geb. '93) und Timothy (Timmy - geb. '99) wurden in Puerto Princesa geboren.

Elisabeth und unsere drei Söhne sind Third Culture Kids (Deutsch: Dritt-Kultur-Kinder). Dieser Ausdruck sagt aus, dass sie eine Mischung aus deutscher und philippinischer bzw. chilenischer Kultur in sich entwickelt haben. Sie sind nicht ausschließlich deutsch und nicht völlig philippinisch (chilenisch) geprägt.

Unsere Jungen vermissen die Philippinen, besonders das große Grundstück, auf dem wir seit 1992 gelebt haben. Die Gedanken an bestimmte philippinische Leckerbissen sorgen dafür, „dass ihnen das Wasser im Mund zusammen läuft“. Inzwischen haben alle drei Freunde in Deutschland gefunden.

Das Buch Third Culture Kids von John Pollock kann helfen, aus dieser Prägung das Beste zu machen.

Nach oben

Felix Dexel ● Waldgarten 48 ● 21255 Tostedt  ● fdexel@web.de
Webmaster: Jokim Schnoebbe  ● Jokim@Schnoebbe.com